Experimentierfreude zum Auftakt der naturwissenschaftlichen Woche
(K)ein Tag ohne Chemie
Von CHRISTIAN SCHROEDER
ERKRATH. Etwas Theater, ein wenig Knoff-Hoff-Show, eine Prise Quizwettbewerb – die Gäste in der vollen Gymnasiumsaula Rankestraße mussten auf nichts verzichten. Der Auftakt der naturwissenschaftlichen Woche war hochunterhaltsam und macht Appetit auf mehr. Das war vor allem Dr. Heywang, dem Referenten des Abends zu verdanken.
“Hallo, hallo, aufwachen, Herr Heywang!”, rief Chemielehrer Axel Piechocki ganz empört und wackelte am Bett. Ein komplettes Schlafzimmer war auf der Bühne der Aula eingerichtet worden. “Sie wollten doch einen Vortrag halten. Über den Tag ohne Chemie!” Dr. Gerhard Heywang zog sich die Decke übers Gesicht. “Den gibt’s nicht”, befand er kurz und knapp. Damit meinte der Experte von Bayer Leverkusen den chemiefreien Tag, nicht jedoch sein Referat. Das hielt er nämlich, nachdem er aus dem Bett gestiegen war. Obgleich Referat nicht das richtige Wort ist: Was der Naturwissenschaftler da vor den Schülern, Lehrern und Eltern aufzog, erinnerte tatsächlich an die Experimentier-Sendung Knoff-Hoff-Show. Da puffte und spritzte es, dass es für die Zuschauer eine Wonne war!
Jeder Versuch wurde von einer Kamera gefilmt, so dass die Details auf der großen Leinwand mitzuverfolgen waren. Heywang erhitzte eine mit etwas Wasser gefüllte Coladose und versenkte sie dann in einem Eimer mit kalten Wasser. Peng – aus dem Blechbehälter war ein zerbeultes Kunstobjekt entstanden! In einem Schälchen mischte der Chemiker Stärke mit Wasser zu einer festen Pampe, in der sogar der Löffel stecken blieb. Zucker dazu, und plötzlich wurde das Gemisch wesentlich flüssiger. “Weil das Wasser lieber zum Zucker als zur Stärke geht”, erklärte Heywang.
Auch die Besuche bei Erkrather Firmen und am Donnerstag in der Düsseldorfer Uni sollen den Schülern mehr Geschmack auf Chemie und andere naturwissenschaftlichen Berufe machen. Sich früh informieren beuge Fehlentscheidungen bei der Berufswahl vor, so die Organisatoren der Infowoche. Berufsfindung müsse in die Schule verlagert werden. Damit die jungen Leute rechtzeitig wissen, in welchen Berufen ihnen die teilweise abstrakten Naturwissenschaften später wieder begegnen können.
Chemie zumindest ist alles andere als alltagsfremd. Das morgendliche Haarewaschen, der Kaffee auf dem Frühstückstisch, das abendliche Bier: “Chemie begegnet uns täglich hundertfach”, so die Kernaussage von Dr. Heywang.
Rheinische Post vom 05. 05. 2004


