Geschichte des Schüleraustauschs

25 Jahre Schüleraustausch und Schulpartnerschaften

Auszüge aus der Ansprache von Herrn Theodor Boddenberg zur Festveranstaltung am 31. 03. 2001 im Gymnasium Hochdahl

25 Jahre ununterbrochener Schüleraustausch und Schulpartnerschaften! Ein Vierteljahrhundert internationaler Beziehungen mit 10 Schulen in 6 Ländern auf 3 Kontinenten. Wahrlich eine ungewöhnliche Leistung, auf die das Gymnasium Hochdahl und alle Beteiligten mit Recht stolz sein dürfen.

Es wurden Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerschulen aus Frankreich, England, Ungarn begrüßt, von denen sogar einige bei dem Aufbau der Schulpartnerschaften beteiligt waren. Das in den vergangenen Monaten gesichtete Material, das sich mit internationalen Beziehungen beschäftigt, erstaunte wegen der Dichte und Fülle der Leistungen und des Engagements, das die Schule mit ihren ausländischen Partnern in diesem Schwerpunkt ihres Schulprogramms entwickelt hat.

Ich habe einmal nachgerechnet: Da haben in dieser Zeit über 2.800 Schülerinnen und Schüler unserer Schule an einem Austausch teilgenommen, davon allein 622 an dem Austausch mit St. Chéron, den wir heute besonders feiern. Berücksichtigen wir, dass zu jedem unserer Schüler auch ein ausländischer Partner gehört, so haben durch unsere Bemühungen über 5.600 Schüler erste Kontakte geknüpft und erfahren, wie Menschen in einem anderen Land leben. Sie erfuhren, wie wichtig gute Fremdsprachenkenntnisse zum gegenseitigen Verstehen sind. Sie haben gelernt, wie auf der Grundlage persönlicher Freundschaft und eigener Erfahrung tief sitzende Vorurteile und landläufige Klischees hohl in sich zusammenfallen und sind, wie ich hoffe, gegen jede Art von Fremdenfeindlichkeit gefeit.

Der Weg begann 1973, als es an der Zeit war, die fremdsprachlichen Kenntnisse motivationsfördernd zu erproben und Kontakte zu ausländischen Partnern aufzunehmen. Es wurde ein Antrag an das Deutsch-Französische Jugendwerk gestellt, das eine Partnerschaft mit dem Collège du Pont de Bois in St. Chéron vorschlug, da diese Schule auch Kontakt gewünscht hatte. Nach umfangreichen Vorbereitungen fand der erste Austausch im Frühjahr 1975 statt. Mit dieser Schule pflegen wir auch nach 25 Jahren den Schüleraustausch. Von 1979 bis 1991 fand der Austausch mit dem Collège Albert Camus in Arpajon statt. Bis 1991 war als dritte Schule das Collège La Justice in Cergy beteiligt. Mit der Zeit ergaben sich Wechsel, so dass am Austausch seit 1993 eine Schule in St.-Germain-les-Arpajon und seit 2000 das Collège Emile Auvray aus Dourdan am Austausch beteiligt sind.

25 Jahre wird in diesem Frühjahr auch der Schüleraustausch mit England alt. Er begann ebenfalls 1973 mit vielen Brieffreundschaften mit der Bexhill Grammar School in Bexhill-on-Sea und im Frühjahr und Sommer 1976 mit den ersten Austauschbesuchen, leider nur für ein Jahr, da eine Änderung des englischen Schulsystems weiteren Austausch mit der Sekundarstufe I unmöglich machte. Es folgten – manchmal frustrierend – jahrelange Bemühungen, einige einjährige Kontakte, die jedoch wegen Lehrerwechsel und zu geringer Zahl der Deutschschüler nicht weitergeführt werden konnten. Auch das ist schulische Realität. Es dauerte schließlich bis 1990, bis wir auch hier zu einer partnerschaftlichen Trias gefunden hatten, auf die Verlass war und die sich seit über 10 Jahren erfreulich bewährt hat: seit 1987 mit der Shavington High School in Crewe, seit 1990 mit der Culcheth High School in Warrington und dem Ringmer Community College.

Die Partnerschaft mit der Schule in Nyiregyháza wie mit unserer israelischen Partnerschule hat etwas andere Schwerpunkte. Sie sind beide in der Oberstufe angesiedelt und verfolgen stärker politische, historische und kulturkundliche Ziele. Mit Ihnen haben wir unsere Perspektiven erweitert und den Blick der Schule über die Westrichtung hinaus auch auf Südosteuropa und den nahen Osten gelenkt. Wir sind die Partnerschaft mit dem Gimnazium Krudy Gyula auf Bitten des Kultusministers als Pilotprojekt 1989 zu einem Zeitpunkt eingegangen, als der eiserne Vorhang noch existierte und wir bemüht waren, ein kleines Fenster in beide Richtungen zu öffnen. Die weltpolitische Lage hat sich seitdem verändert, doch unsere beiderseitigen Ziele sind gleich geblieben, und auch hier versprechen tragfähige freundschaftliche Beziehungen viel Gutes für die Zukunft.

Das gleiche gilt für die Partnerschaft mit unserer israelischen Partnerschule, Tichon Hadash in Tel Aviv. Trotz manchem Auf und Ab, trotz gelegentlicher Behinderungen durch die politische und militärische Lage haben wir 1997 das 20jährige Bestehen unserer Verbindung feiern und auf beachtliche Leistungen in beiden Schulen zurückblicken können.

Noch weiter entfernt und näher zugleich liegt das Ziel einer weiteren freundschaftlichen Verbindung, der zu Japan und zur Japanischen Internationalen Schule in Düsseldorf. Wir haben sie vor allem Herrn Bolten zu danken, der sie aus einem Kurs im Differenzierungsbereich der Klasse 10 entwickelt hat und mit großem Engagement bestrebt war, interessierten Schülern erste eigene Erfahrungen mit den Menschen und der Kultur dieser bedeutenden südostasiatischen Nation zu vermitteln. Er hat dieses Programm schrittweise bis zur Gründung einer Gesellschaft für Deutsch-Japanischen Jugendaustausch ausgebaut.

Eine sehr wichtige Verbindung eigener Art ist die Partnerschaft mit dem Colegio P. Luis Espinal in Collpani-El Alto in Bolivien. Sie ist 1986 aus dem Bewußtsein der Schule entstanden, beständige und verlässliche Mitverantwortung für eine Schule in Lateinamerika zu übernehmen und sie in ihrer äußerst schwierigen Lage sowohl finanziell als auch menschlich zu unterstützen. Was Herr und Frau Schumachers, aber auch andere in 15 Jahren geleistet haben, ist mehr als bemerkenswert.

Allen, die wissen, wie schwierig es war, diese Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten, wird der persönliche Dank ausgesprochen mit der Hoffnung, dass unsere Überzeugungen und Ziele die gleichen bleiben dort wie hier und dass die Bande, die wir zwischen unseren Schulen geknüpft haben, fortdauern und auch in Zukunft die gleiche Unterstützung finden wie in der Vergangenheit.

Überarbeitet von Frau G. Spiegel